Natalie Luder

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Fou Lard
2011

Fou Lard [fuːˈlɑːd]
Das französische Wort für Seidenschal ist Foulard. Das Wort setzt sich zusammen aus fou (verrückt) und lard (Speck).

Vor ungefähr 1500 Jahren kam eine chinesische Seidenraupe nach Frankreich um Seide zu produzieren. Im Land der „Bonvivants“ fand sie sich zufälligerweise in einer Metzgerei auf einer schönen Scheibe Speck wieder. Hmm, wie schön weich und schmackhaft, dachte die Vegetarierin überrascht und begann wie wild ihr Kokon zu spinnen.
Der Kokon wurde grösser und grösser und bald weckte es auch die Aufmerksamkeit der Frau des Metzgers, einer sehr eleganten Dame. Dieser Speck sieht aber verrückt aus, dachte sie und schon bemerkte sie den kleinen Wurm, der sich sichtlich wohl fühlte in seinem neuen Paradies. Ich werde den schönsten Seidenschal aus deiner Seide machen, versprach sie und fütterte die Seidenraupe mit den besten Speckstücken, die sie auftreiben konnte. Drei Monate später war sie die stolze Besitzerin des wohl glänzendsten Seidenschals, den sie liebevoll mein „Foulard“ nannte.

Fou Lard [fuːˈlɑːd]
The French word for a silk scarf is foulard. The word is composed by fou (insane) and lard (bacon).

About 1500 years ago a Chinese silkworm found his way to France to produce silk in Europe. In the country of the « bon vivants » it accidently landed in a butcher’s shop on top of a slice of bacon. Hmm, so soft and tasty, thought the vegetarien with surprise and with verve started to build a cocoon.
As the cocoon grew more and more the butcher’s wife, a sophisticated lady, catched an eye on it. Is this bacon going insane, she thought but shortly after she spotted the little worm who found itself in a new paradise. I will make the most beautiful scarf from your silk, she promised and kept feeding the silkworm with the best bits of bacon she could find. After three month she was wearing proudly the most shiny silk scarf that she would call with affection my „foulard“.

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Made in Paradise
2011

Während eines dreimonatigen Atelieraufenthaltes im European Ceramic Work Centre in `sHertogenbosch in Holland entstand ein Objekt, das der Made sozusagen ein Denkmal setzt. In einer dreiteiligen Form aus Steingut, deren Äusseres Speck imitiert, bäckt man eine Riesenmade aus Brotteig. Durch die Materialverfremdung und die Grössenverschiebung verflüchtigt sich der Ekel und die Made kann genussvoll verspiesen werden.
An Salzstengeli hingegen klammern sich kleine Maden aus Keramik. Will man das ganze Stengeli verspeisen, kommt man nicht darum herum, die Made mit dem Mund zu berühren. Ist man zu gierig, beisst man sich womöglich einen Zahn daran aus. Sie werden auf einem Speckbrettli aus Steingut serviert.
Brot ist mehr als nur ein Nahrungsmittel, es steht stellvertretend für Nahrung und Sättigung schlechthin. Die Made hingegen gilt als Inbegriff der Gefrässigkeit. Doch versänke die Welt ohne die Fresslust dieser Tierchen in ihrem eigenen Abfall. Insbesondere dem Bild der Made im Speck haftet etwas Parasitäres an, ein nicht gesellschaftsfähiges Ohne Fleiss kein Preis, ein dekadentes und sinnentleertes Dasein.
Diese Objekte werden in einer Speisenfolge inszeniert werden:
Das Thema der Speisen wird sich zwischen den beiden Polen Restenverwerten (Arme-Leute-Essen, Abfall, Verwesung) und Völlerei (Paradies) bewegen.

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Made in Switzerland
2009/10

Die Unsicherheit, die das Tragen eines aus Perlmutt geschnitzten Mädlis beim Betrachter auslöst, verstärkt sich zum wohligen Schauer beim Anblick der unzähligen Maden, die sich aufgeknüpft auf Perlseide aneinander kringeln. Das einzelne Mädli wird idealerweise am speckigen Kragen getragen.
Inspiriert durch Franz Hohlers Erzählung Made in Hongkong entwarf ich die Kette Made in Switzerland für eine Ausstellung zum Thema Globalisierung und Migration.

„Made“ in German means maggot or grub. It represents one state of the cycle of metamorphosis. Its main concern is to devour in order to finally mutate to a beautyful butterfly, an ordinary mayfly or some other dipteran.
Made in Japan, made in Mexico, made anywhere in the world. By studying the origin of my belongings I notice that I own things who have been fabricated all over the world. Some are country-specific items, other labels of origin tell more about cheap production possibilities.
The provenance of an object refers not necessarily to its identity nowadays.
I carved maggots from a shell of mother of pearl which I bought in Geneva. I don’t remember its origin, but probably somewhere in the Pacific ocean. The maggots, put together to form a necklace will be exhibited in Mexico City. Actually somebody from England bought it.
In one sense or another a maggot is indeed a global player!

www.grayareasymposium.org/blog

www.op-voorraad.com

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Schmetterlinge
2008

Der Schmetterling aus Muschelschalen lässt angeklammert die Flügelchen hängen und gleicht einer verwelkten Blume. Sein Tod ist nahe, die Eier sind gelegt. Er erinnert sich an die fetten Jahre als Made im Speck, perlmuttglänzend sich durchfressend.

Clutched to a dress the butterfly’s wings made from shell are drooping just like a withered flower. Its death is close, the eggs are layed. It remembers the years of plenty as a maggot, shiny as mother of pearl, devouring endlessly.

"Float like a butterfly, sting like a bee." Muhammad Ali

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Breakfast at Tiffany’s
2009

Die Teller werden von Hand mit Porzellanton zu einer klassischen Tellerform modelliert. Die so erreichte gewollte Unebenheit erinnert an die innere Oberfläche einer Muschel. Das glasierte Weiss des Porzellans evoziert, ähnlich wie die Perle, Reinheit und Unschuld.
Die verschieden grossen Teller lassen sich zu einer Perlenkette mit Verlauf anrichten. Sie stehen für die geladenen Gäste.
Ein weiterer Teller ist aus Messing geschmiedet und vergoldet. Dieser Teller symbolisiert den Verschluss einer Perlenkette. Zu Tisch beansprucht der Gastgeber diesen Teller für sich, hält er doch die Fäden der Runde in der Hand.

The handcrafted plates are made of porcelaine clay. The roughness of the surface reflects the structure of mother of pearl. The shimmering whiteness of the glazed porcelaine evokes associations with pureness and virginity, just as a pearl does.
The plates, slightly varying in size, are to be arranged to represent a pearlchain. In this constellation each piece stands for a friend or guest.
One single plate is made of gold-plated brass. It symbolises the necklace's latch and thus, represents the host, responsible for the strong bonds of friendship within this intimate circle.

Dossier "Breakfast at Tiffany's"

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Bergketten
2008

Berge bauen - Bergkette aus Hörnern
Die massstabsgetreue Abbildung von Landschaft dient seit über 200 Jahren als Mittel, um Landschaft zu verstehen und ist eine schweizerische Spezialität. Landschaften in Kleinformat darzustellen ist eine aufwändige kunsthandwerkliche Arbeit. Entdecken Sie ein Handwerk, bei dem sich Naturwissenschaft und Kunst berühren.
Horn wird das felsige Überbleibsel einer von Gletschern geformten Bergspitze genannt. In der Schweiz gibt es etwa 900 solcher Hörner, zum Beispiel das Schreckhorn. Stellen Sie Ihre eigene Bergkette aus verschiedenen Hörnern der Schweiz zusammen. Sägen Sie deren Umrisse aus Kuhhorn aus.

building mountains - mountain chain of horns
For more than 200 years, the manufactering of meticulous landscape reproduction, which is a Swiss speciality, helps to understand alpine scenery. To form landscape in midget size is an elaborate craftwork. Discover a craft which unites natural science and art.
A horn is the craggy remnant of a mountaintop which has been chewed upon by glaciers. There are around 900 horns in Switzerland , such as Schreckhorn for example. Choose your favourite horns of Switzerland and carve their outlines from a piece of cowhorn. Put the parts together to form a mountain chain.

handarbeit-nord.blogspot.com

Dossier "Bergkette"

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Das Jagdessen
Schmuck aus den Zähnen von 125 Kaninchen -
125 Kaninchengerichte - 125 Gäste
2005-2008

Projektidee und Leitung: Natalie Luder, Zürich
Schmuck: Natalie Luder, Zürich
Regie Film “Das Jagdessen”: Nora De Baan, Zürich

Ausgangspunkt zu diesem Projekt war eine Serie von Schmuckarbeiten aus den letzten drei Jahren. Aus den Zähnen von 125 Kaninchen sind Schmuckstücke entstanden, die einen Trophäencharakter haben. Die Inszenierung dieser Objekte im Rahmen eines barocken Festessens, das die tatsächliche Einverleibung der 125 Kaninchen vorsah, sollte verschiedene Kunstformen zusammenführen und sich zu einem Gesamtkunstwerk verdichten.
Über die Website www.jagdessen.ch konnte man sich anmelden, indem man virtuell ein Kaninchen erschoss. Es gab insgesamt 125 Plätze. Ausgehend von den 125 Kaninchen, die ihre Zähne für meine Arbeit hergeben mussten, suchte ich nach 125 verschiedenen Kaninchenrezepten, die von gut 15 Köchen zubereitet wurden. Es wurde ein Buffet von unzähligen Pasteten und Terrinen, Schmorgerichten, aber es gab auch Brat- und geräucherten Würsten sowie süsse Häschen. Hatten Sie schon mal die Gelegenheit Kaninchenzünglein zu kosten?
Das Jagdhorn hat zum Sturm auf das Buffet geblasen, das in einem gewissen Sinne zum Jagdrevier wurde. Wer holte sich das beste Stück? Wie viele verschiedene Gerichte wirkten berauschend, wann wurde es betäubend?
Zwei Schauspieler führten als Jäger durch den Abend. Die übrigen Gastgeber sorgten sich einerseits um das leibliche Wohl der Gäste, andererseits trugen sie als Ausstellungsträger den Schmuck aus Kaninchenzähnen. So konnten die Gäste die Schmuckstücke aus nächster Nähe betrachten.
Die Filmschaffende Nora de Baan hat den Abend mit der Kamera begleitet und der daraus entstandene Kurzfilm erzählt, fiktiv erweitert, die Jagdgeschichte dieses Abends, während die Schmuckstücke aus Kaninchenzähnen als Trophäen von diesem einmaligen Ereignis zeugen.

I made jewellery using the teeth of 125 rabbits. The central piece is the collar that bears the name “125 lapins.” It is composed of 2500 knotted together posterior teeth. Necklaces and brooches were constructed from the naturally curved front teeth. They bear one of two names: either “brochette de lapin” (in French the word brochette means skewer (for meat) or, literally, small brooch) or “dentelles de lapin” (dentelles is the French word for lace, while dent is also the word for tooth).

I celebrated this jewellery with a baroque feast, for which I was searching 125 different recipes for rabbit. Can one have rabbit so many different ways? It was a buffet of terrines, pastries, stews, but also of sausages made with rabbit meat. Have you ever eaten rabbit tongue before?
The hunting horn sounded the signal to start the battle at the buffet, which became a sort of hunting ground itself. Who will get the best piece?
The hosts cared for the well-being of the guests on one hand, but adorned as they were with the jewellery, they also allowed for the guests to get a close look at these pieces.

Although the jewellery has been made in advance, the pieces embody the idea of being the physical remains of both the hunt and Hunters' Banquet. With such a gesture, the Hunters' Banquet enacts a symbolic closure to this work in progress, the spectacle of which was captured on film.

Dossier "Das Jagdessen"

Film "Das Jagdessen"

Menu "Das Jagdessen"

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Sugarpearls United
2005

Durch die Technik des Zuckerblasens kann man Zuckerkugeln in der Grösse eines Fussballs anfertigen. Die Oberfläche des so behandelten Zuckers hat einen irisierenden Glanz und erinnert an den Lüster einer Perle.
Ich lud 22 Frauen zu einem von Fussballbildern inspirierten Gruppenbild ein. Jede hatte im kleinen Schwarzen zu erscheinen, ganz nach dem Vorbild von Audrey Hepburn in „Breakfast at Tiffanys“.
Die Perle gilt als Sinnbild der Vollkommenheit und Reinheit und ist der Inbegriff der Weiblichkeit. Indem ich jeder Frau eine Perle zugeordnet habe und somit gleichsetzte, entstand durch das Zusammenfügen aller Beteiligten zu einem Gruppenbild die Idee einer Perlenkette.

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A Manger Des Yeux
2003

Ausgehend von den Schauessen des Barock und deren Tischaufsätze habe ich „Tischschmuck“ im wahrsten Sinne des Wortes angefertigt. Die überdimensionierten Broschen schmücken den Gastgeber als Trophäen.

Dossier "A Manger des Yeux"

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Tischlandschaft
2002

Wer kennt es nicht, das Seelein am Fusse des Kartoffelstocks. In der Alltagssprache vergleicht man oft servierte Speisen mit Bergen oder Seen, umgekehrt spricht man von einer mit glitzerndem Neuschnee überzuckerten Landschaft.
So werden Löffel mit Landschaften bestickt, Berge zum Anbeissen geformt und eine Servierplatte so verändert, dass sie beim Hochheben zu einer Hügellandschaft wird.
Guten Appetit!

Have you ever moulded a lake from your mountain of smashed potatoes and filled it with gravy? In daily conversation portions of cooked food are often described as hills or lakes, vice versa a landscape covered in snow appears to us as if sugar has been spread over it.
In that sense I literally stiched landscapes into spoons, I formed mouthwatering mountains, and transformed a serving plate in such a way that it forms a hilly surface by lifting it up.
Enjoy your meal!

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Solitaire
2002

Der klassische Verlobungsring ist ein einzeln gefasster Diamant. Der König der Edelsteine steht für Luxus und Macht, aber auch für Unendlichkeit. Durch die Änderung des Massstabs sind bei meinem Objekt die Rollen vertauscht. Anstatt sich mit dem Diamanten zu schmücken, nimmt man dessen Platz ein.

Solitaire is the name of the classical engagement ring with one setted diamond. The King of precious stones symbolises luxury and power, but also eternity. By changing the scale of the setting the roles of wearer and ring get inversed. Instead of adorning yourself with a diamond you actually take its place.